Geschichte
der Biolandwirtschaft Hannelore Henke

Ein Artikel von Thüringer Ökoherz e.V. 
Soziale Landwirtschaft


 

Hannelore Henke und Hans Klauser begannen 1993 mit der konventionellen Haltung und Nachzucht von Milchkühen und der Haltung von Schafen. Sie bewirtschaften heute 110 ha Acker und Grünland zur Versorgung ihrer Tiere.

Seit 2003 betreutes Wohnen

Aus „sozialen Gedanken“ heraus nahmen Sie erstmals im Jahr 2003 Menschen auf ihrem Hof auf, die einen Betreuungsbedarf haben, um mit ihnen gemeinsam zu leben und zu arbeiten. Von 2008 bis 2011 befand sich der Landwirtschaftsbetrieb in der Umstellung zum Ökohof und bot weiterhin betreutes Wohnen in der Familie an.

Der Kontakt zu der jetzigen Klientengruppe von psychisch kranken und suchtkranken Menschen entstand über den Verein „Wandlungswelten Jena“, der sich um die Vermittlung der Betreuten in die Familie Henke- Klauser kümmert. Die persönlichen Betreuer der Klienten regeln alle bürokratischen und finanziellen Angelegenheiten mit den entsprechenden Einrichtungen und Kostenträgern und beraten zu allen Fragen des betreuten Wohnens.

 


Aktuell arbeiten Hannelore Henke und Hans Klauser mit dem Trägerwerk Soziale Dienste in Apolda zusammen, die einen ihrer Klienten auf den Hof vermittelt haben. Auch in diesem Fall wird der bürokratische Aufwand, der ebenso die Finanzierung beinhaltet, durch das Trägerwerk übernommen. Fachliche Unterstützung erhält die Familie Henke-Klauser durch den Sozialen Dienst und verschiedene andere Dienstleister, wie z.B. einer Krankenschwester.

Bis zu drei sucht- oder psychisch kranken Menschen betreut das Ehepaar. Die Zeitspannen des Aufenthaltes sind verschieden. Von einigen Wochen bis zu mehreren Jahren wohnen die Betreuten in eigenen Zimmern im familiären Umfeld im Haus der Familien Henke-Klauser. Durch einen geregelten Alltag mit gemeinsamen Mahlzeiten und verschiedenen Arbeiten im landwirtschaftlichen Bereich wird den Betreuten die nötige Sicherheit und Struktur gegeben, die sie brauchen. Verschiedene Arbeiten wie zum Beispiel hauswirtschaftliche Tätigkeiten, die Versorgung der Tiere, der Weidebau oder forstwirtschaftliche Aufgaben werden zusammen mit den Betreuten durchgeführt. Jeder soll auf dem Hof eine passende Arbeit finden, die er gerne tut.

Die Mitarbeit ist freiwillig. Die Begeisterung der Betreuten für die Arbeit zu wecken ist nicht immer leicht. Stimmungsschwankungen und fehlende Motivation stellen täglich eine Herausforderung für die Gasteltern dar. Dafür ist das Leben auf dem Hof abwechslungsreicher. Wer offen ist, zuhören kann und nicht alles gleich negativ auffasst, erfreut sich „wenn man sieht, dass einer sich wieder einbringt“, so Herr Klauser.

Der Versuch, die Wünsche und Besonderheiten der Klienten auf dem Hof zu integrieren, die Neustrukturierung des eigenen Tagesablaufs und die familienähnliche Atmosphäre sind für Hannelore Henke positive persönliche Erfahrungen.


Empfehlungen der Landwirte
Familie Henke-Klauser empfiehlt allen, die soziale Felder in ihren Landwirtschaftsbetrieb integrieren möchten, genau zu überlegen, welches Betreuungsmodell am besten zum eigenen Hof passt, mit einem Träger zusammenzuarbeiten, der bei allen Fragen fachlicher und zwischenmenschlicher Natur beratend zur Seite steht und Geduld bei der Arbeit mit den Menschen aufzubringen. „Die Soziale Landwirtschaft hat das Leben auf unserem Hof abwechslungsreicher und familiärer gemacht. Es macht Spaß, zu sehen, wie die Menschen wieder aufleben und ihren Platz im Leben wiederfinden“, fasst Frau Henke zusammen. 
 

Text: 
Thüringer Ökoherz e.V. 
Soziale Landwirtschaft

Ein Praxishandbuch für Einsteigerinnen und Einsteiger

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